| Exercise
Induced Collapse (EIC) beim Labrador-Retriever |
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EIC ist der häufigste Grund
für den belastungsinduzierten Zusammenbruch junger, scheinbar
gesunder Labrador Retriever. Dabei scheinen alle Farbschläge,
beide Geschlechter, sowie Hunde aus Field Trial- und Ausstellungslinien
gleichermaßen betroffen zu sein. Bis vor kurzem konnte EIC nur
mittels des systematischen Ausschlusses aller anderer in Frage kommender
Ursachen für das Auftreten eines Kollapses diagnostiziert werden.
Dazu gehörte die Vorgeschichte des Hundes, das Beobachten der
charakteristischen klinischen Merkmale, sowie die Auswertung gewisser
Laborbefunde. |
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Ausgeschlossen
werden sollten in erster Linie etwaige orthopädische Probleme,
Herzinsuffizienz, Herz-Rhythmus-Störungen, Atembeschwerden,
Anämien, ein zu niedriger Blutzuckerspiegel, das "Cauda-equina-Syndrom",
"Myasthenia gravis" (Autoimmunerkrankung) und andere Muskelerkrankungen.
Im Jahr 2008
identifizierten Wissenschaftler des Veterinärmedizinischen
Diagnostischen Labors der Universität Minnesota ein einzelnes
verändertes Basenpaar auf dem DNM1-Gen, welches sie für
eng mit EIC assoziiert halten.
Das Dynamin1-Protein spielt eine bedeutende Rolle bei der bei der
synaptischen Kommunikation zwischen den Nerven des Zentralen Nervensystems,
sowie bei der neuromuskulären Erregungsübertragung. Da
betroffene Hunde unter stressfreien Alltagssituationen und bei geringer
bis moderater Aktivität keine Krankheitszeichen aufweisen,
gehen die Forscher davon aus, dass das veränderte Dynamin1-Protein
die Erregungsübertragung unter normalen Bedingungen sicherstellt.
Erst bei intensiver Belastung kommt es durch die Genmutation zu
einer verringerten Funktion des Dynamin1-Proteins mit der Folge,
dass die muskelkontrollierenden Nerven nicht ausreichend stimuliert
werden. Die Unterbrechung der Erregungsübertragung führt
schliesslich zu einem Verlust der nervalen und muskulären Funktion
bis hin zum Kollaps.
Seit Dezember
2008 ist der auf diesen Forschungen beruhende Gen-Mutationstest
auch in Deutschland erhältlich und erste Statistiken zeigen,
dass EIC auch hierzulande ein Thema sein könnte.
Erste Anzeichen der Erkrankung zeigen sich i.d.R. im Alter zwischen
5 Monaten und 3 Jahren. Im Durchschnitt sind die Hunde etwa 14 Monate
alt, da in dieser Zeit gewöhnlich mit der intensiveren Ausbildung
der Hunde begonnen wird. Viele der betroffenen Hunde zeigen sich
phänotypisch als überaus fit, muskulös und athletisch
gebaut. Sie besitzen zudem ein hohes Temperament und viel Bewegungsdrang.
Während sie leichte bis mäßige Bewegung völlig
unauffällig tolerieren, führt ein zwischen 5 und 20 Minuten
andauerndes, anspruchsvolles Training in Verbindung mit dem dabei
entstehendem Stress schnell zu Schwächeerscheinungen und schließlich
zum Kollaps.
Schwerwiegend betroffene Hunde kollabieren jedes Mal, wenn sie ihre
individuelle Belastungsgrenze erreichen, andere nur sporadisch.
Die meisten Hunde erholen sich anschließend sehr schnell und
zeigen bereits nach 5 bis 25 Minuten keinerlei Schwäche mehr.
Während des Kollapses sind keinerlei Anzeichen für Schmerzen
erkennbar, jedoch ist die ansonsten normale Körpertemperatur
während des Kollapses dramatisch erhöht (> 41,5 C).
Weitere typische Anzeichen sind gewöhnlich ein schaukelnder
oder verkrampfter, teilweise auch steifbeinig wirkender Gang. Danach
tritt eine Hinterhandschwäche ein, die sich bei einigen Hunden
bis zu den Vorderläufen fortsetzt und sie vollkommen bewegungsunfähig
macht. Manche Hunde haben offenbar Gleichgewichtsstörungen
und fallen deshalb um, besonders wenn sie sich von einem Kollaps
erholen. Die meisten betroffenen Hunde sind während eines Kollapses
bei Bewusstsein und hellwach, sie versuchen weiter zu rennen und
zu apportieren, aber 25 % der betroffenen Hunde erscheinen bewusstlos
oder desorientiert während des Kollapses.
Die beste Behandlung von EIC besteht in der Vermeidung der auslösenden
Situationen bzw. Faktoren, die einen Kollaps begünstigen können.
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Während moderate Bewegung meist symptomlos
bleibt, kann ein intensives Arbeiten schnell zum Kollpas führen
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Faktoren, die einen Kollaps begünstigen
können
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| Umgebungstemperatur |
Grundsätzlich scheint
die Umgebungstemperatur nur dann eine Rolle zu spielen ,wenn sie wesentlich
erhöht ist und zugleich eine hohe Luftfeuchtigkeit vorliegt.
Auch übermäßiges Hecheln (Hyper-ventilation) bei heißem
Wetter scheint ein begünstigender Faktor
zu sein. |
| Erregungszustand |
Hunde, die EIC-Symptome
zeigen, besitzen i.d.R. leicht erregbare Persönlichkeiten und
der Grad ihrer Aufregung scheint offensicht-
lich eine wichtige Rolle beim Auslösen eines Kollapses zu spielen.
Bei schwerwiegend betroffenen, sehr leicht erregbaren Hunden bedarf
es zuweilen keinerlei zusätzlicher körperlicher Anstrengung,
um einen Zusammenbruch herbeizuführen. Hunde mit EIC kolla-bieren
am ehesten, wenn sie besonders aufregende oder stress-
behaftete Arbeiten ausführen. Die Palette kann dabei vom Appor-tieren
von Lebendwild über die Teilnahme an Field Trials (Lebend-wildprüfungen)
bis hin zu besonders harten Trainingseinheiten
unter Zuhilfenahme eines Elektroreizgerätes reichen. |
| Art
des Trainings |
Normale Routine-Übungen,
wie Joggen, Wandern, Schwimmen, kleinere Jagden und sogar Agility
oder Flyball reichen i.d.R. nicht
als Auslöser aus. Zu einem Zusammenbruch kommt es meist
erst dann, wenn es sich um ein kontinuierlich intensives Arbeiten
handelt, welches mit einem hohen Maß an Aufregung oder auch
Angst verbunden ist. Dabei sind beispielsweise Trainingseinheiten
zu nennen, in denen der Hund fortwährend korrigiert wird und
sich dadurch in einem Zustand der ständigen Erwartung von Strafe
befindet. |
| Differentialdiagnostik |
| EIC-
Epilepsie |
Im Verlauf der Forschungsstudien
des Veterinärmedizinischen Diagnostischen Labors der Universität
Minnesota stellte sich heraus, dass einige, der wegen Kollaps-Episoden
vorgestellten Labradors nicht unter EIC, sondern einer atypischen
Form von Epilepsie litten. Im Unterschied zu EIC traten die Kollaps-Episo-
den, der mit dieser Epilepsieform befallenen Hunde sehr plötzlich
auf, endeten abrupt und dauerten meist nur sehr kurz (unter zwei Minuten)
an. Demgegenüber ist bei EIC ein langsames Fort-
schreiten der Schwäche (von hinten nach vorne), sowie eine schrittweise
Erholung innerhalb von 5 bis 30 Minuten zu beo-
bachten. Differentialdiagnostisch schwierig ist, dass diese Art
von Epilepsie-Anfällen (die bisher so gut wie ausschließlich
bei Labradors beobachtet werden) gewöhnlicher Weise ebenfalls
durch Aufregung und Training ausgelöst werden. Ferner bleiben
die Hunde ebenfalls bei Bewusstsein, weisen aber Probleme
des Gangwerks, des Gleichgewichts oder des Muskeltonus auf.
Bei einigen Hunden, die unter dieser Epilepsieform leiden, blei-
ben die Anfälle in ihrer Qualität gleich, während sich
bei anderen später typische generalisierte Anfälle mit Bewusstseinsverlust,
Muskelzucken, Gliedmaßenpaddeln usw. entwickeln. |
| EIC
- mitochondriale Myopathie |
Obschon die Forschungsgruppe
ursprünglich davon ausging,
dass es sich bei EIC um eine mitochondriale Myopathie handelt, stellte
sich im Verlaufe der Untersuchungen heraus, dass EIC
keine stoffwechselbedingte Myopathie ist. Hunde mit EIC leiden
eher an einer neurologischen Dysfunktion als an einer Muskel-schwäche.
Die nachfolgenden, typischen Symptome bzw. Befun-
de der mitochondrialen Myopathie lassen sich bei EIC nicht nach-weisen.
TypischeSymptome/ Befunde der mitochondrialen
Myopathie:
Die
meisten Hunde mit mitochondrialer Myopathie haben eine schwere Trainingsintoleranz,
die regelmäßig schon bei mildem Training ausgelöst
werden kann.
Meist
entwickeln sie eine schwere Laktatazidämie bei vergleichs-weise
mildem Training mit einem erhöhten Laktat : Pyruvat Verhältnis.
Viele
Hunde haben im histologischen Muskelschnitt "ragged red fibres"
(= ausgefranste rote Fasern), die das morphologische Korrelat zu ultrastrukturellen
mitochondrialen Veränderungen sind. |
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Weitere
Informationen gibt es hier
Veterinary
Diagnostic Laboratory
University of Minnesota
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