|
Skinner's Dog Food 1st. International Gundog Event
for Retrievers
3rd & 4th June 2002 at Sherborne Castle
| Am 3. und 4. Juni 2002 startete zum ersten
Mal ein deutsches Team auf englischem Boden. Im Rahmen der Sherborne
Castle Country Fair, einer mittlerweile sehr bekannten jährlichen
Wohltätigkeitsveranstaltung mit ca. 20.000 Besuchern, fand mit
Unterstützung von Skinner's Dog Food der "1. International
Gundog Event for Retrievers" statt. |

Sherborne Castle
| Geplant war ein zweitägiger internationaler
Team Working Test unter Kennel Club Rules, wobei jedes Teammitglied
dieselbe Aufgabe zu meistern hatte und die Punkte anschliessend für
das Team addiert wurden. Dadurch entfiel die Aufgabenverteilung innerhalb
des Teams und es ergab sich eine faire Vergleichsgrundlage der einzelnen
Hunde. Am Start befanden sich insgesamt zwölf Teams mit jeweils
vier Hunden. Die Teams stammten aus Belgien, Dänemark, Deutschland,
England, Frankreich, Holland, Irland, Österreich, Schottland,
Schweden, der Schweiz und Wales. Das deutsche Team setzte sich aus
Gunda Inken-Mühl mit "Julis Stjerne Charon" (G/R),
Barbara Monz mit "Arosa von Thurn Strunden" (L/H), Anja
Möller mit "Gunsight's Autumn Sage" (L/H) und Betty
Schwieren mit "Cheslabben Pow Wow" (CB/R) zusammen und wurde
vom Teamcaptain Dr. Ole Richter betreut. |

Das deutsche Team in der Hauptarena
| Unter den Teilnehmern fanden sich auf britischer
bzw. irischer Seite nicht nur so klangvolle Namen wie John Halstead,
John Halsted Jnr., Billy Steel Jnr., Alan Roundtree, Peter Burton
und viele mehr ..., sondern auch so erfolgreiche Hunde wie FTCh. Broadlaw
Damsen, FTCh. Drakeshead Treacle, INT.FTCh. Raughlin Bailey of Tirgrave,
FTCh Rozel Rocket of Tasco, FTCh. Saxaphone Express und viele andere
mehr. Aber auch in den Reihen der kontinentalen Teams tauchten sehr
viele wohlbekannte Namen erfolgreicher Führer und Hunde auf.
Es versprach also ein äusserst spannender Test zu werden, der
vor allem einen Vergleich der Leistungsstandards der Hunde der einzelnen
Länder und der verschiedenen Handling-Methoden ermöglichen
sollte. |
 |
Den hochkarätigen Hunden
und Hundeführern stand mit Tess Lawrence (U.K.), Alan Thornton
(U.K.), Graham Cox (U.K.) und Fille Exelmans (Belgium) ein sehr
erfahrenes und professionelles Richterteam gegenüber.
Organisiert wurde der Event von den beiden auch in Deutschland wohlbekannten
Routiniers, Rupert Hill und John Birkett so dass Teilnehmer und
Zuschauer zwei perfekt organisierte Tage erwarten durften. Das attraktive
Gelände rund um Sherborne Castle, das Mr. Wingfield Digby grosszügigerweise
für den Test zur Verfügung stellte, bot den Veranstaltern
mit einer interessanten Mischung aus Parklandschaften, Wäldern,
Ackerland und einem grossen See ausreichend Möglichkeiten die
Hunde und ihre Hundeführer zwei Tage lang umfassend zu prüfen.
Insgesamt waren zehn Tests geplant, wobei der Letzte nur jeweils
von einem Teammitglied absolviert werden sollte. Kommentiert wurde
der Event mit viel Routine und Witz von Morty Turner-Cooke.
|
Auftakt: Sunday 2nd Meet the Teams
| In einem, anlässlich des 50-jährigen
Thronjubiläums der Queen, weiss-rot-blau geschmückten Festzelt
vor der romantischen Kulisse von Sherborne Castle wurde ein Meet the
Teams-Abend veranstaltet, bei dem sich ausreichend Gelegenheit zum
Kennenlernen bot. |
Monday 3rd June:
| Das Testgelände war der Deer Park von
Sherborne Castle. |
|
Aufgabe 1: ca. 70m Wassermarkierung
(Singlemark)
Die Hundeführer standen
ca. 40m von der Uferkante, die von einem ca. 3m breiten, flachen
Schilfgürtel gesäumt wurde, entfernt. Es fiel eine einfache
Wassermarkierung mit Schuss in diagonaler Linie zur Uferkante. Gewünscht
wurde neben der direkten Wasserannahme, das Lösen vom Schilfbereich
und ein sauberes Delivery. Teilweise erschwerte die starke Wellenbewegung
des Wassers die Sicht des schwimmenden Hundes auf das Dummy. Gerichtet
wurde diese Aufgabe von Alan Thornton und Graham Cox.
|
|
 |
| Aufgabe 2: Doppelmarkierung |
 |
Die Hundeführer standen
an einem leichten Hanggelände. Die erste Markierung fiel rechterhand
in ca. 70m Entfernung in gemischten Bewuchs. Die zweite Markierung
wurde von oberhalb des Hanges in ca. 80m Entfernung in 1m hohen
Farn geworfen. Der Einstieg in das Farngelände verlief diagonal.
Bei der zweiten Markierung, die als erstes gearbeitet wurde, ergaben
sich neben dem dichten Wildbesatz, der Bewuchshöhe und der
diagonalen Linie, vor allem Probleme die Distanz richtig einzuschätzen
und den Hund bei schlechtem Markieren zu handeln. Gerichtet wurde
diese Aufgabe von Tess Lawrence und Fille Exelmans. Das deutsche
Team konnte hier die höchste Gesamtpunktzahl aller Teams verbuchen!
|
Aufgabe 3: Walk Up
| Beim Walk Up lief jedes Team für sich.
Er wurde von Tess Lawrence und Fille Exelmans gerichtet, die jeweils
einen Hundeführer rechts und links von sich laufen liessen. Das
Gelände war wiederum ein mit hüfthohem Farn bewachsener
Hang. Die Line bewegte sich parallel zum Hang und jeder Hund hatte
einen diagonalen Retrieve nach vorne und nach hinten zu arbeiten. |

| Probleme ergaben sich schlichtweg aufgrund
des Bewuchses und der Bodenunebenheiten: gutes Heelwork konnte fast
nicht beurteilt werden, da Richter und Hundeführer vor allem
damit beschäftigt waren sich auf dem unebenen, dichtbewachsenen
Gelände auf den Beinen zu halten und die Hunde sich ja im wesentlichen
unterhalb des Farnes befanden. Das Markieren erwies sich so als entweder
nahezu unmöglich oder einfach als reine Glücksache. |
|
Aufgabe 4: Doppelblind
Der Hundeführer stand
10m vor einem flachen, mit Brennnesseln bewachsenen Graben. Rechterhand
befand sich ein Weg, der den Graben kreuzte. Es sollten zwei Blinds
in 100m und 120m gearbeitet werden, wobei der Winkel zwischen beiden
ca. 15 Grad betrug. Es erfolgte kein Schuss, der Wind kam von links
und die Reihenfolge der Retrieves war beliebig. Nicht gerne gesehen
wurde das Abweichen des Hundes von der geraden Linie, vor allem
das Umlaufen der Brennnesseln im Graben. Auch konnte der Hund linkerhand
leicht hinter Bäumen ausser Sicht geraten, wenn er in den Wind
drehte. Gerichtet wurde von Alan Thornton.
|
|
 |
 |
Aufgabe 5: Markierung und Blind
Zuerst fiel eine, nur teilweise
sichtige Markierung in 50m Entfernung in einen nicht zu sehenden
Teich. Das Blind lag im 90 Grad Winkel in ca. 80m Entfernung in
einem 1.80m tiefen Graben auf der linken Seite. Zwischen dem Graben
und dem Startpunkt lag quer ein grosser Baumstamm, der, ebenso wie
der von links kommende starke Wind, den Hund dazu verleitete von
der geraden Linie abzuweichen. Probleme bei der Wassermarkierung
ergaben sich aus dem scheinbar sehr schwierigen Einstieg, der die
Hunde zum Umlaufen verleitete. Gerichtet wurde diese Aufgabe von
Graham Cox.
|
Gala-Abend
| Den Abschluss des ersten Tages bildete ein
Gala-Dinner im Sherborne Hotel zu dessen Auftakt die Zwischenstände
des ersten Tages präsentiert wurden. Hier zeichnete sich eine
kleine Sensation ab: das deutsche Team belegte hinter England und
Scotland Platz 3, dicht gefolgt von Irland und Wales. Trotz des Drucks,
der jetzt auf dem deutschen Team lastete, stieg doch auch das Selbstvertrauen
der Teammitglieder auf dem geforderten Niveau gut mitlaufen zu können. |
Tuesday 4th June
| Testgelände waren das Ackerland und
die Waldungen südlich des Schlosses. |

Aufgabe 1: Marking und Blind
|
Der Hundeführer stand mittig auf einer hangaufwärtsverlaufenden,
ca. 50m breiten und ca. 250m tiefen Waldschneise, die sich nach
oben zu verjüngte und die beidseitig von dichtem Wald umsäumt
war. Die Schneise wurde von zwei Zäunen, - in 40m und 120m
Entfernung, unterteilt.
Zunächst fiel eine Markierung in ca. 110m Entfernung knapp
VOR den zweiten Zaun und etwas links von der gedachten Mittellinie.
Diese sollte sofort gearbeitet werden. Während der Hund das
Dummy abgab, fiel unmittelbar hinter dem zweiten Zaun ein weiterer
Schuss des ganz am rechten Waldrand stehenden Schützen. Das
Blind befand sich auf der gedachten Mittellinie ca. 40m HINTER dem
zweiten Zaun.Schwierigkeiten ergaben sich neben den Sprüngen,
der Geländeformation und den Entfernungen vor allem daraus,
dass die Hunde dazu neigten sich zunächst an der Fallstelle
der Markierung festzusaugen oder hinter dem am Waldrand stehenden
Schützen in den Wald zu verschwinden. Gerichtet wurde diese
wohl anspruchsvollste Aufgabe des Events von Tess Lawrence und Fille
Exelmans.
|
|
 |
Aufgabe 2: Zweier-Walk Up -zwei Markierungen
nach vorne, ein Blind nach hinten
| Jeweils zwei Teammitglieder liefen zusammen
mit den Richter in einer sehr engen Line. Nachdem eine Markierung
nach vorne gefallen war, musste der erste Hund zunächst nach
hinten ein Blind arbeiten. |

Walkup am zweiten Tag
|
Danach arbeitete der zweite
Hund die Markierung. Nach einem kurzen Walk arbeiteten die Hunde
in umgekehrter Reihenfolge. Anschliessend fiel für jeden Hund
noch eine weite Markierung in hohes Gras. Die Richter legten vor
allem Wert darauf, dass unbejagtes Gelände nicht unnötig
beunruhigt wurde und die Führer in diesem Fall gezielt und
zügig eingriffen. Gerichtet wurde diese Aufgabe von Alan Thornton
und Graham Cox.
Zur Lunchtime wurden die Teams
den Besuchern der Country Fair in der Hauptarena präsentiert.
Den Abschluss des Events bildete ein "Run Off", in dem
jeweils nur ein Teammitglied startete und der eher einer publikumswirksamen
Retriever-Vorführung glich, als einem Stechen im eigentlichen
Sinne. Dabei wurden in Zweierteams jeweils zwei Wassermarkierungen
gearbeitet.
|

Anja Möller mit Sage und Billy Steel jnr.
mit FTCh. Broadlaw Damsen beim Run Off
| Obwohl das deutsche Team unglücklicherweise
durch zwei Nullrunden am zweiten Tag, seinen dritten Platz im Gesamtplacement
nicht halten konnte, war auch der letztendlich erreichte sechste Platz
in diesem Starterfeld eine sehr tolle Leistung! |
Die Ergebnisse der Teams

Die drei erstplatzierten Teams
|
1. England 487 Pkt.
2. Scotland 477 Pkt.
3. Ireland 471 Pkt.
4. Wales 471 Pkt.
5. Belgien 442 Pkt.
6. Deutschland 437 Pkt.
7. Dänemark 436 Pkt.
8. Schweden 419 Pkt.
9. Österreich 410 Pkt.
10. Holland 385 Pkt.
11. Frankreich 379 Pkt.
12. Schweiz 364 Pkt.
Das beste Team bekam die "Skinner's
Perpetual Challenge Trophy" überreicht.
|
Die besten zehn Hunde der
Einzelwertung
|
|
 |
|
Dem Top Dog des Events "Endacott
Shelf" (L/R) von Andy Latham (England) gebührte mit 132
Pkt. die von Rupert Hill und John Birkett offerierte "The Bellever
Perpetual Challenge Trophy".
Dem deutschen Team gebührte
der Trost, dass aus seinen Reihen immerhin der beste kontinental-europäische
Hund stammte: "Gunsight's Autumn Sage" (L/H) mit Anja
Möller.
|
Die weiteren Platzierungen im Einzelnen:
|
2. "Ropehall Star"
(L/R) mit G. Davies (Wales) 125 Pkt.
3. "FTCh. Rozel Rocket of Tasco" (L/R) mit A. Roundtree
(Irland) 125 Pkt.
4. "FTCh. Glenlowie Cedar of Killieford" (L/R) mit N.
Black (Schottland) 124 Pkt.
5. "Craighorn Oak" (L/R) mit Mr. Greg (Schottland) 123
Pkt.
6. "Gunsight's Autumn Sage"
(L/H) mit A. Möller (Deutschland) 122 Pkt.
7. "INT. FTCH. Raughlin Bailey of Tirgrave" (L/R) mit
E. Finn (Irland) 121 Pkt.
8. "FTCh. Saxaphone Express" (L/R) mit P. Burton (England)
121 Pkt.
9. "FTCh. Drakeshead Treacle" (L/H) mit John Halstead
(England) 120 Pkt.
10. "IRFTCh. Carraigairt Adam of Glenloch" (L/R) mit W.
Kelly (Irland) 120 Pkt.
Besonders erwähnenswert
ist im Zusammenhang mit den Ergebnissen auch die grosse Transparenz
des Richtens - bereits kurze Zeit nach dem Absolvieren jeder Aufgabe
fanden sich die Bewertungen auf der grossen "Skinners Tafel",
so dass man jederzeit den Punktestand der einzelnen Teams verfolgen
konnte.
|

Die "Skinners-Tafel"
Das Gesamt-Fazit
|
Im Mittelpunkt aller Aufgaben
stand, möglichst schnell in den Besitz der Dummies zu gelangen,
ohne jedoch unnötigerweise "unbejagtes" Gelände
zu beunruhigen.. Demzufolge galt es - unter Berücksichtigung
des Windes! - lieber zügig einzugreifen, als den Hund sinnlos
Gelände verbrauchen zu lassen. Allerdings wurde dann auch erwartet,
dass das Handling perfekt funktionierte - Hunde, die den Anschein
gaben ausser Kontrolle zu sein, wurden ruckzuck eliminiert!
Erstaunlicherweise war in
den englischen Reihen anstelle des auf dem Kontinent propagierten
"there, there ..." oder ähnlichem, tatsächlich
so etwas wie ein Suchenpfiff zu hören!
Waren vor wenigen Jahren noch
gravierende Unterschiede in den Leistungsstandards der einzelnen
kontinental-europäischen Länder im Vergleich untereinander
und vor allem im Vergleich zu den Briten und Iren augenscheinlich,
so zeigte sich, dass das Niveau jetzt schon sehr eng zusammengerückt
ist. Einem Artikel der Shooting Times zufolge, ist das Niveau der
kontinental-europäischen Hunde und Hundeführer deshalb
so außerordentlich gut, weil es sich ja schliesslich vor allem
um Hunde aus englischen Linien handele oder zumindest um in England
oder von Engländern ausgebildete Hunde ...
Na ja, und nachdem wir sicher
auch weiterhin nach englischem Vorbild weitertrainieren, englische
Pfeifen und Dummys benutzen, englische Jacken und Stiefel tragen
und englischen Tee trinken, kann ja im nächsten Jahr eigentlich
nichts mehr schiefgehen, oder?
Sicher ist: Das Wochenende
war, insbesondere durch die absolut professionelle Organisation,
ein absolutes Top Ereignis. Sollte es im nächsten Jahr gelingen
Teams aus Übersee (USA und Südafrika) an den Start zu
bekommen, könnte sich diese Veranstaltung in den folgenden
Jahren ohne weiteres als weltweit wichtigster Vergleichstest in
der Retriever-Szene etablieren.
Dr. Ole Richter (Teamcaptain)
Annette & Stefan Bürse-Hanning und Harald Hubert (Supporters)
|
|
|