News & Results Special Events Trainingstage mit Graham Roberts
 

24.- 26. Juni 2006

Graham Roberts zu Gast bei den "C's"

Die Fakten:

Samstag, 24.06.2006, 9.00 Uhr. 23,5 Grad, Supersonnenschein

Revier @ the Holzstapel

Anwesend die fünf C's: Edith & Craig, Claudia & Clark, Silvia & June, Karin & Corvin, Himmi & Carron

Leider nicht anwesend, da verhindert die zwei C's: Rolf & Creedy, Lisa & Carra

Verantwortlich für das Ganze: Anja Möller mit Ferguson, Sage & Bracket

Technisches Equipment, Fotos und Design: Harald Hubert mit Keena


Trainer: Sir Graham Roberts, Riversway Gundogs, UK

Komisch still war es anfangs in den ersten Minuten, wenn Graham irgendwo erschien, manch einer konnte glauben, die Ehrfurcht vor ihm war es, die uns zum Schweigen brachte. In Wahrheit lag es am katastrophalen Englisch der C-Führer. Wäre es ein Kriterium für den Erhalt eines Hundes aus dem Wurf gewesen, hätten wir alle wohl an diesem Tag nicht da gestanden. Wobei ich glaube, dass unsere Ehrfurcht und die Unsicherheit vor Graham unseren Englischkenntnissen noch den Rest gab.


Edith's T-Shirt zeigte uns das Motto des vor uns liegenden Wochenendes:
in großen weißen Lettern stand da: "Alles wird besser..." ... und es sollte noch viel besser kommen!

Samstag

Sir Graham stand mitten auf der Wiese, sympathisch grinsend, totally locker und relaxed, den ersten "C" zu sich rufend. Claudia war mutig genug und stapfte mit Clark in die Mitte des "Ringes". Wir, die wir gebannt zusahen, was nun folgen würde, hielten den Atem an. Mist, Heelwork! Ich hasse es. Einer meiner 33 Schwachpunkte!

Graham macht immer vorher Heelwork (Fussarbeit). Er geht in einer geraden Linie ca. 40m geradeaus! Dann links, dann wieder 40m, dann links, dann wieder 40m...

Er läuft also ein Quadrat. So, wo ist die Leine und wo ist der Hund wirklich? Graham hält die Leine in der linken Hand, er gibt dem Hund ca. 20cm Leinen-Abstand nach links! Die Nase des Hundes hat dabei auf Kniehöhe zu sein. Die restliche Leine hängt locker nach unten. Ein völlig neues Gefühl. Dabei braucht er keinen spektakulären Leinenruck. Vielmehr macht er mit den Fingern an der Leine "Tack-Tack", wenn der Hund zu schnell werden sollte. Bleibt man stehen, hat die Hundenase die Kniehöhe nicht zu verlassen. Alles andere ist zu weit vorne. Und ganz wichtig: vor jeder Übung gibt es erst einmal Heelwork!

 

Wer sich an unser letztes Treffen erinnert weiss, dass mein Heelwork noch nicht "Workingtest-Niveau" hat und auch heute war das nicht der "Brenner".

Aber das Erste, was Sir Graham mir strahlend verkündete, war: "Very good, but..." und das war ein Satz, der uns das ganze Wochenende nicht mehr verlassen sollte. Graham ist der Meinung, dass wir immer als Erstes sehen sollten, was gut gegangen ist. Man kann jede Aufgabe in viele Einzelteile splitten und die Frage, die jeder dann selbst beantworten muss ist: "was ist mir an der Aufgabe oder überhaupt an meinem Hund das Wichtigste?"
Beim Heelwork war bei mir also toll, dass der Hund überhaupt mitgegangen ist und anschliessend hat Graham mir demonstriert, wie wichtig es ist, ruhig und geradeaus mit dem Hund zu gehen. Und auch das muss erst gelernt werden.

Als zweite Übung folgte ein Marking. Jeder konnte die Distanz in etwa selber wählen und durfte seinen Hund schicken, wann und wie er wollte. Jetzt gibt es da ja jede Variante des Schickens: mit oder ohne Hand (also damit meine ich jetzt diese "Na-jetzt-geh-Hand und nicht die Voranhaltung!), "Voran" oder "Apport"? Leise oder Laut. Suchenpfiff am Ende oder nicht? Kommpfiff beim Reinkommen oder nicht? Vorsitzen, Vorbeilaufenlassen oder nicht ... Ihr seht, nichts als ein ganz einfaches Marking!
Ich sage Euch hier einfach, was Graham denkt. Er nimmt beim Marking das gleiche Wort wie beim Voran, er hat also nur ein Kommando. Die Hände sind in den Taschen oder auch sonst wo, aber sie bewegen sich nicht. Graham sagt, die Hände könnten den Hund von der Markierung ablenken und schon muss er mehr leisten, um an das Dummy zu kommen. Er verliert die Markierung aus den Augen, so dass es bei hohem Gras oder bei schwierigem Gelände für ihn sehr schwer ist, sie wiederzufinden. Tatsache war, dass diejenigen "C's", die "ohne Hand" geschickt wurden, schneller an der Markierung waren.

Der Hund kommt, wenn er gefunden hat, mit dem Dummy zurück und zwar so schnell er kann!
Egal, was der Hund hat oder wo der Hund ist, beim Zurückkommen, hat er Gas zu geben und schnell zu sein. Es ist toll anzusehen, wenn ein Hund schnell rausgeht, aber es ist grandios mit anzusehen, wenn er schnell zurückkommt!
Graham zerteilt also auch diese Übung in Einzelteile und "first of all", bekommst Du ein "excellent" zu hören - mit dem darauffolgenden "but"... also Steadiness kommt in dieser Phase eigentlich zu guter Letzt, wichtiger ist ihm das Raus- und Reinkommen. Und das Markieren. Dann die Abgabe: natürlich sollte der Hund das Dummy anbieten und in die Hand abgeben, also nicht ausspucken, nicht schütteln, nicht spielen...

Wer Carron kennt weiß, dass er nach der Abgabe gerne rumhampelt und spielt, mit dem Gras, hochspringen an mir, etc. Die Zeiten sind vorbei. Der Hund hat ein Hals-band? Sehr gut - nutze es! Halsband packen und "Sit"! Anleinen, freuen und Ende. Wer Leckerlies streut, darf Leckerlies streuen.

Graham sagt, daß alles erlaubt ist, was einem weiterhilft, nur wenn es nicht hilft oder sogar Probleme macht, dann ändere es und zwar sofort!

Graham sagt: wenn Du eine Wiese nimmst, wie die "@ the Holzstapel" und Du fängst da an eine Übung aufzubauen, dann ändere diese nie in ihrer Art und Weise. Genial!
Das heißt: wir haben uns eine Ecke auf der Wiese auserkoren, in die wir am Samstag Markierungen geworfen haben. Am Sonntag haben wir den Hund abgesetzt, sind zu unserer "Markierungsecke" gelaufen, haben ein Dummy für den Hund sichtig ausgelegt, haben ein weiteres Dummy versteckt nach hinten fallen lassen (Achtung: woher kommt der Wind?), dann sind wir fröhlich zum Hund zurückmarschiert, haben ihn gedreht, bei Fuß genommen, gingen 75m nach hinten zurück, haben den Hund sitzen lassen, haben ein Dummy ca. 10m vor ihm sichtig ausgelegt, gingen zurück zum Hund, haben uns wieder komplett gedreht und ihn dann in unsere "Markierungsecke" auf die "ehemalige Markierung" und das mittlerweile "Memory" geschickt. Traumhaft zu sehen, wie sich die Hunde mitgedreht haben. Diese "Markierungsecke" darf jetzt gar nie zu einer z.B. "Frei-Verloren- Ecke" werden! Sonst würde man den Hund durcheinander bringen. Und daran haben wir uns das ganze Wochenende auch gehalten, mit exzellenten Erfolgen. Aber jetzt bin ich schon beim Sonntag. Also: zurück zum Samstag.

Am Samstag gab es noch eine Markierung über den @ the Holzstapelbach, in eine kniehohe Wiese. Wichtig war Graham, dass der Hund das Wasser sofort annimmt, das Dummy packt und gleich damit zurück kommt, ohne es dann abzulegen oder sich mit dem Dummy im Fang zu schütteln. Das hiess aufpassen und notfalls Action! Man hat an diesem Tag einige "C-Führer" gesehen, die ziemlich schnell und unkontrolliert in irgendeine Richtung gerannt sind, damit sich der Hund nicht auf seinen nassen Körper, sondern auf die Abgabe bzw. seinen Führer konzentriert...

Am Samstagabend waren wir dann zu einem Super-Dinner im nächstgelegenen Ort unterwegs. Die "C's" hatten zwischenzeitlich Anke Wolf mit ihrer Flathündin "Eowyn" adoptiert und als Unterstützung für den Abend kam noch Anja's Tierärztin und Flatzüchterin Annette Volkamer zu Besuch.

Dank der fränkischen Weine waren schon bald alle sprachlichen Hürden genommen und so manch einer unterhielt sich mit Händen und Füssen oder eben einfach auf englisch. So entstanden an diesem Wochenende völlig neue Wort-Kreationen wie "totally locker und totally lecker".


Während Graham sich in der Aussprache von "Privatbrauerei" übte, lernten wir wichtige englische Begriffe wie z.B. der Elefantenrüssel heißt nicht "tail" oder "nose", sondern "trunk" und "cynical" ist kein "fairy tale", sondern heisst einfach "zynisch". Aha!

Nicht zu vergessen, dass Harald uns an diesem ersten Abend gleich mit den aktuellsten Trainings-bildern im Diashowformat mit Hintergrundmusik (Jack Johnson ;-) beglückte. Nachdem Graham Annette versprechen musste bis zum nächsten Treffen seine Kenntnisse in punkto "alte englische & schottische Trinkweisen" aufzufrischen, sangen wir auf der Heimfahrt zur Einstimmung schon einmal Lieder wie: "my Bonny (wahlweise auch Carroni) is over the ocean.." oder "what shall we do with the drunken sailor...." - Gut, dass es nur vier Kilometer waren!

Sonntag

25.06.2006 - Trainingsbeginn: 9.00 Uhr - 23,5 Grad im Schatten - Tendenz steigend


Graham, wie immer frisch und munter auf der Wiese stehend, die erste Aufgabe im Blick. Wir haben, wie oben schon angedeutet, den Samstag einfach nochmals aufleben lassen, mit unserer bekannten "Markierungsecke" in genau dem Gelände, das den Hunden schon so richtig vertraut geworden war, ohne jedoch Langeweile aufkommen zu lassen.
In der Mittagshitze gingen wir wieder zur Wasserarbeit über - immer noch mit dem gleichen Ziel vor Augen: die Abgabe und das schnelle Zurückkommen. Zum Abschluss dieses Tages lernten die Hunde noch über einen Schafszaun zu springen. Graham sagt: "Hunde lieben es zu springen..." - na ja, vielleicht nicht unbedingt über Schafszäune, aber auch hier haben alle C's ihre Lektion recht gut gemeistert.
 

Man durfte schliesslich nicht vergessen: es war bereits der zweite Tag, Spätnachmittag und Hunde wie Führer schienen schon kräftig müde zu sein.

Sollte jetzt jemand die Vorstellung haben, dass wir unsere kleinen "C's" überlastet haben könnten: falsch! Wie sich das für gute Hundeführer gehört haben wir a.) regelmässig an unserem Picknicktisch gesessen und b.) hatte fast jeder der "C's" einen Ersatzhund mit dabei, so dass wir die Ruhepausen mit einem richtig guten und spannenden Training für "the older ones" nutzen konnten. Die Großen durften genauso übers Wasser und den Zaun arbeiten, bekamen Wahnsinnsmarkierun-gen, sowie gut versteckte, lange Blinds.

Auf diesem Wege kam jeder Hund und jeder Führer zu mehr Erfahrung, als er sich zuvor vielleicht erhofft hatte.

Am Abend liessen wir uns bei der Lokalwahl nicht lange bitten und gingen nochmals in unser Super-Dinner-Lokal eine Ortschaft weiter. Ausgerüstet mit dem breiten Grinsen des Erfolges, einem Wahn-sinnshunger und einem Laptop, der uns wieder einmal alle Bilder des Tages - musikalisch unterlegt - vorführte. Dabei fiel uns ein "Handler" dieses Mal besonders auf: Harald. Und wie der Zufall es wollte, stimmten bei seinem Anblick Anja und ich spontan das Lied aus der R.H.P.S. an "... It's just a jump to the left, and then a step to the right, ...put your hands on your hips, and bring your knees in tight!" Und alle schunkelten und sangen mit, so dass wir am Ende dieses Lied als Hymne der "C's" auserkoren hatten.

Zurückblickend haben wir an diesem Wochenende folgendes trainiert: Heelwork, Delivery, Markierungen, Memories, Blinds, "Over" in Verbindung mit einem Zaun, Wasserretrieves mit verschiedenen Distanzen.
Wir haben die "C's" die ersten zwei Tage jeweils einzeln und nacheinander trainiert, also nicht in der Gruppe. Erst am Montag, als Karin leider schon auf dem Weg zur Arbeit war, haben wir jeweils einen "C" neben einen erwachsenen Hund gesetzt. So fanden sich folgende Teams: Craignish & Nika, Clark & Dime, June & Humphrey, Carron & Sage. Die Herausforderung lag darin, dass der junge Hund in gebüh-rendem Abstand neben dem erwachsenen Hund sass und es ertragen musste, diesem auch bei der Arbeit zusehen. Das heisst, es wurde mit beiden Hunden ein Quadrat gelaufen, wobei jeder an jeder Ecke einmal zum Einsatz kam und entweder auf ein "Blind" oder eine Markierung geschickt wurde. Die Markie-rungen und die Blinds lagen, wie sollte es anders sein, in unserer altbekannten "Markierungs-Ecke" der Vortage. Alle hielten super durch bis auf Klein-Carron, der hatte bereits beim zweiten Dummy die Idee zwar wie gewohnt schnell zu starten, um dann jedoch nicht zurückzukommen. Mist!
Grahams Antwort dazu: "Oh, don't worry - his body is still working, but his brain is now on holidays ..."
- solche Aussagen bringen einen wirklich auch noch in den schlimmsten und peinlichsten Situationen zum Lachen. Und was haben wir daraus gelernt: wenn Du Anzeichen siehst, dass Dein Hund platt ist, egal ob körperlich oder geistig, dann hör sofort mit dem Training auf. Wir haben schliesslich Carroni mittels einen zweiten Dummies zu uns gelockt, ihn kurz für das Kommen gelobt und ihn dann zum Träumen ins Auto gebracht.

Die Zusammenfassung

Es war ein Wochenende mit richtig guter Stimmung, mit viel Spass und Gelassenheit, mit tollen Aufgaben und vielen neuen Erkenntnissen, mit viel Englisch und jeder Menge Sonne... Ein herzliches Dankeschön an Graham, der jeden Hund einzeln betrachtet und jeden Führer mit seinem Hund im höchsten Masse erfolgreich durch das Wochenende geführt hat. Ich habe viel zugehört, gestaunt, gelernt, war begeistert und auch ein bisschen stolz auf all die "C's" und ihre Leistungen innerhalb der Teams.

Danke an Anja & Harald, die uns dieses Wochenende überhaupt erst ermöglicht haben ... es wird ganz sicher in die Geschichte ihrer "C's" eingehen!

Am Montag Nacht habe ich dann erst einmal tief und fest geschlafen und ich glaube, ich habe sogar auf englisch geträumt ...

Claudia mit Gunsight's Carron

 

 


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