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17./ 18. November 2007:

EUROPEAN CUP FOR RETRIEVERS 2007

COPPA EUROPA RETRIEVER 2007

COUPE D' EUROPE POUR RETRIEVERS 2007

Die "Europa-Meisterschaften für Retriever" wurden 1992 von der Retriever-Kommission der FCI (Fédération Cynologique Internationale) als internationales Field Trial für alle Retriever-Rassen konzipiert. Seit 1993 werden sie alle zwei Jahre im Wechsel von teilnehmenden FCI-Mitgliedsländern veranstaltet.

Laut Reglement der FCI ist "das Ziel der Europameisterschaften diejenigen Hunde zu selektionieren, welche anlässlich einer praktischen Jagd das geschossene Wild möglichst effizient auffinden und zurückbringen, so wie es der retrieverspezifischen Art am besten entspricht. Ebenfalls ermöglicht ein Vergleich zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten, die Verschiedenartigkeit der Gelände und des Wildes in den verschiedenen Ländern und Regionen Europas aufzuzeigen."
Startberechtigt sind Mannschaften aller europäischen FCI-Mitgliedsländer, wobei jedes Land stets nur durch eine einzige Mannschaft vertreten wird. Grundsätzlich kann jedes Land seine Mannschaft frei bestimmen, die je nach den Möglichkeiten des organisierenden Landes aus mindestens zwei und höchstens vier Hunden bestehen muss. Grundvoraussetzung für eine Teammitgliedschaft ist jedoch, dass der Besitzer entweder die Staatsbürgerschaft des Landes hat, für welches sein Hund starten soll oder zumindest in den letzten 12 Monaten seinen ständigen Wohnsitz in dem betreffenden Land hatte.

Die diesjährigen "Europa-Meisterschaften" wurden von der ENCI (Ente Nazionale della Cinofilia Italiana), dem italienischen VDH-Korrespondant organisiert und fanden 45km von Mailand entfernt im italienischen Montodine statt. Gerichtet wurden sie von einem internationalen anerkannten und erfahrenen Richterteam: Tom Smith (UK - Craighorn), Tom Boyd (UK), Peter Cole (UK - Elmbrook), Kevin Doughty (UK), Fillip Bollen (B - Starcreek), Malu Marx (CH - Lockthorn), Luca Giuntoli (I) und Stefano Martinoli (I - Waterfriends).


Das Starterfeld erstreckte sich mit Teilnehmern aus Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Norwegen, Niederlande, Schweden, Schweiz und Italien über elf Nationen. Nachdem die italienischen Organisatoren die Mannschaftsstärke unter Berücksichtigung der zu erwartenden Wilddichte im Prüfungsgebiet auf drei Hunde pro Mannschaft beschränkt hatten, gingen damit insgesamt 33 Hunde, darunter zwei Flats, vier Goldens und 27 Labradors, an den Start. Das deutsche Team wurde von Jörg Brach mit "Warpersmoss Truman" (G/R), Katja Knechtel mit "Gunsight's Brame" (L/R) und Anja Möller mit "Gunsight's Bracket" (L/R) vertreten.

Das Halbfinale am 17. November

Die "Europa-Meisterschaften" in Montodine wurden als "walked up trials on natural game" abgehalten und begannen am ersten Tag mit zwei "Semifinals" an dem alle Teilnehmer starteten. Diese dienten sowohl als Qualifikations-prüfungen mit Vergabe der nationalen und der internationalen Anwartschaft, als auch als Selek-tionsprüfung für das Finale des darauffolgenden Tages. Die Aus-losung der Startnummern fand bereits am Freitagabend i.R.e. Begrüssungsveranstaltung der Or-ganisatoren und des Bürgermei-sters von Montodine, sowie der festlichen Präsentation aller Teams statt.

 

Für die "Semifinals" wurde das Starterfeld in zwei Gruppen (ital.: "Batterias") aufgeteilt, die sich am Samstagmorgen trennten und von jeweils vier Richtern begleitet in unterschiedlichen Geländen geprüft wurden. Aus diesem Grund bestand für die Richter auch die Möglichkeit jeweils ein CACT/CACIT pro "Batteria" zu vergeben. Die Richter richteten streng, aber fair und vor allem den Bedingungen angemessen. Aufgrund des begrenzten Wildbesatzes behielten sie nach jeder Runde nur die bis dato jeweils fehlerfreien Hunde in der Line, um diesen die Möglichkeit zu geben, die Richter auch im weiteren Verlauf von ihren Qualitäten zu überzeugen. Dies bedeutete allerdings für Hunde mit "B-Retrieves" (z.B. zu viel Handling) oder einem schweren Fehler (z.B. einem "eye wipe") das sofortige Aus!
Das bejagte Gelände gestaltete sich sehr vielfältig und reichte von Feldgehölzen über Schilfgras- und Brachflächen, abgeernteten oder noch stehenden Maisfeldern bis hin zu Uferböschungen, Auwäldern und Brombeerdickungen. Dabei erschwerte nicht nur der teilweise sehr dichte Bewuchs die Arbeit der Hunde, auch der morgendliche Frost sorgte für schwierige Witterungsbedingungen und ließ selbst das Auffinden von Vögeln in offenerem Gelände zu einer Herausforderung werden. Dichte Gehölze und höherer Bewuchs wurde aus der Line heraus von Springer Spaniels durchstöbert, die in ihrer Dienstbeflissenheit weder Rücksicht auf die Hunde, noch auf die Nerven ihrer Führer nahmen und voller Eifer schon einmal den einen oder anderen in der Line wartenden Teilnehmer anrempelten.

Während die "Batteria B" reichlich Wildvorkommen hatte, dafür aber mit weniger treffsicheren Schützen ausgestattet war, hatte die "Batteria A" zwar sehr gute Schützen, dafür aber leider weniger Wild. So blieb so manches Gespann bis zu zwei Stunden in der Line, bevor es den ersten Retrieve bekam. Dies bedeutete nicht nur hohe Anforderungen an die Steadiness und Konzentration der Hunde, sondern vor allem auch an die Nerven der Hundeführer. Dies mag auch als Erklärung dafür dienen, dass der eine oder andere Hund letztlich die Nerven verlor, wenn er während seiner Arbeit auf einen unbeschossenen Vogel stieß oder sich ein auf kurze Distanz beschossener, vermeintlich tot geglaubter Fasan Minuten später wieder aufraffte und versuchte sich von dannen zu machen.
Insgesamt war das Niveau erwartungsgemäß hoch und die Hunde zeigten beeindruckende Leistungen. Brame und Katja hatten gleich zu Beginn des Trials großes Pech, als sich ein perfekt markierter Fasan wieder in die Lüfte erhob und Brame die Verfolgung schließlich abbrach. Ähnlich erging es auch Truman und Jörg, die jedoch an den schwierigen Witterungsbedingungen des frostigen Morgens scheiterten und sich aus diesem Grund ebenfalls nicht für die Teilnahme am Finale qualifizieren konnten. Dieses Schicksal teilten sie im Verlaufe der beiden "Semifinals" mit 21 weiteren Teilnehmern, die gleichfalls ausschieden. Bracket und Anja hingegen hatten in der "Batteria A" über den ganzen Tag hinweg einen sehr guten "Run" und konnten bereits beim ersten Retrieve zwei Hunde "eye-wipen". Insgesamt blieben sie mit drei weiteren Hunden bis zur letzten Runde im Rennen und als Bracket bei seinem letzten Retrieve ein weiterer "eye-wipe" gelang, endete für beide ein sehr erfolgreicher und aufregender Tag.

Die Resultate des Halbfinales am 17. November

Nach Beendigung der Trials am Samstag trafen sich alle Teilnehmer zum gemeinsamen, typisch italienischen Dinner und zur Bekanntgabe der Ergebnisse der "Semfinals". Dabei kamen in der "Batteria A" sechs der angetretenen sechzehn und in der "Batteria B" sieben der angetretenen siebzehn Hunde in die Wertung.

Batteria A (16 Dogs)

Judges: Tom Smith (UK), Tom Boyd (UK), Filip Bollen (B) & Stefano Martinoli (I)

Rang Titel Hund     Führer
v1 CACT/
CACIT
Gunsight's Bracket L R Anja Möller (Germany)
v2 RCACT/
RCACIT
Searover Flaming Tanni L H Lena Bratsberg (Sweden)
v3   Starcreek Drake L R Miso Sipola (Finland)
sg4   Usvalammen Roihu L H Esa Valkonen (Finland)
g   Chairman of Dukefield L R Heike Klieber (Austria)
g   Mastertouch Banjo of Artistryn L R Francesco Gislon (Italy)

10 Dogs nc/el.

Batteria B (17 Dogs)

Judges: Peter Cole (UK), Kevin Doughty (UK), Malu Marx (CH) & Luca Giuntoli (I)

Rang Titel Hund     Führer
v1 CACT/
CACIT
Carolhill Quistador L R Bruno Julien (France)
v2   Abbotsross Megan L H H.J. Slijkhuis (Netherlands)
sg   Cherwood Red Matuka L R H.J. Heijmann (Netherlands)
sg   Bee of Dukefield L H Ralph Klieber (Austria)
sg   Waterfriend Overawe L H Michael Fraser (Denmark)
g   Trompeterbakken S Dina L H Jan Lorenzen (Denmark)
g   Ol L H Carlo Guggia (Italy)

10 Dogs nc/el.

Das Finale am 18. November

Das Finale, für das sich laut Reglement nur die zwölf Hunde mit den besten Resultaten aus den "Semifinals" qualifizieren, gestaltete sich äußerst spannend. Auch hier war es wieder ein "walk-up trial" mit stöbernden Spaniels. Morgens war der Boden erneut gefroren und es dauerte einige Zeit bis die ersten Vögel geschossen wurden. Anfangs war das Gelände nicht so offen wie am Vortag und es wurde sehr viel im Auwald getrieben und geschossen. Auch wenn sich aufgrund des unübersichtlichen Geländes wieder einige Möglichkeiten zu einem "eye-wipe" ergaben, kristallisierte sich schnell die Qualität und Konstanz der verbliebenen Gespanne heraus.


Da aber Glück und Pech bei einem Field Trial eine nicht unerhebliche Rolle spielen, verblieben auch an diesem Tag nach der vierten Runde wiederum nur vier Hunde in der Line. Nach eingehender Diskussion entschieden die Richter jedem Hund einen weiteren Retrieve zu geben. Da das internationale Reglement für Arbeitsprüfungen im Felde/ Field Trials der FCI empfiehlt - soweit möglich - die Hunde, sowohl in der Line, als auch anlässlich eines Drives (= Treibjagd) zu prüfen, wurde für die verbliebenen Gespanne noch ein reichlich heftiges Treiben organisiert. Dabei durchtrieb die Line aus Schützen, Treibern, Spaniels und dem Großteil der bereits ausgeschiedenen Teilnehmer ein brusthohes Schilfgrasfeld in Richtung auf die Gespanne. Die hochgemachten Fasane strichen knapp über ihren Köpfen ab und um unmittelbar hinter ihnen wieder einzufallen. Es war für alle Beteiligten ein wirklich nervenaufreibender Abschluss und nach einem letzten Retrieve für jeden Hund, stand die Entscheidung der Richter über die Rangierung der Hunde schließlich fest.

Die Resultate des Finales am 18. November

Judges: Tom Smith (UK, Kevin Doughty (UK), Filip Bollen (B) & Stefano Martinoli (I)

Rang Titel Hund     Führer
v1 CACT/
CACIT
Gunsight's Bracket L R Anja Möller (Germany)
v2 RCACT/
RCACIT
Searover Flaming Tanni L H Lena Bratsberg (Sweden)
v3   Trompeterbakken S Dina L H Jan Lorenzen (Denmark)
v4   Waterfriend Overawe L H Michael Fraser (Denmark)
sg5   Usvalammen Roihu L H Esa Valkonen (Finland)
g   Mastertouch Banjo of Artistryn L R Francesco Gislon (Italy)
g   Starcreek Drake L R Miso Sipola (Finland)
g   Chairman of Dukefield L R Heike Klieber (Austria)

4 Dogs nc/el.

Die Teamwertung

Die während der Europameisterschaften erzielten Qualifikationen jedes Hundes werden mittels einer im Reglement festgelegten Umrechnungstabelle in Punkte umgerechnet. Aus diesen lassen sich dann die Mannschaftswertungen bestimmen.

Obwohl das deutsche Team aufgrund zweier CACTs und zweier CACITs mit 24 Punkten die höchste Gesamtpunktzahl innerhalb eines Teams erzielen konnte, ging es leider letztlich nicht in die Mannschaftswertung ein. Das Reglement gibt vor, dass sich mindestens zwei Hunde eines Teams mit einem Minimum von neun Punkten klassiert haben müssen, um in der Mannschafts-Rangliste aufgeführt zu werden. Aus diesem Grund konnten auch Schweden, Frankreich, Belgien, Norwegen und die Schweiz nicht in die Mannschaftswertung aufgenommen werden.
Sieger der Teams wurde deshalb in diesem Jahr Dänemark, dessen Team mit Jan Lorenzen & "Trompeterbakken S Dina" (L/H), Michael Fraser & "Waterfriend Overawe" (L/H) und Palle Ingemann & "Wetlands Wonder" (L/H), über zwei Tage konstant gute Leistungen zeigte und so insgesamt 23 Punkte für die Mannschaftswertung erreichte.

Top Dog v1 CACT & CACIT an beiden Tagen - Gunsight´s Bracket


Rang Mannschaft Punkte
1 Denmark 23
2 Finland 20
3 Netherlands 13
4 Austria 9
5 Italy 6
Germany, Sweden, France, Belgium, Switzerland, Norway

Fazit

Als Fazit bleibt: die Veranstaltung war ausgesprochen gut organisiert und verlief aus Teilnehmersicht reibungslos. Trotz aller Höhen und Tiefen blieb die Stimmung im Teilnehmerfeld durchweg kollegial und freundlich. Besonders erwähnens- und vor allem auch nachahmenswert war, dass sich mehrere ausgeschiedene Teilnehmer aktiv, als Schützen oder Spanielführer, weiter für das gute Gelingen der Trials engagierten und das ist es wohl, was man "real sportsmanship" nennt!



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